gegründet 1.4.2001
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Harry Rowohlt am 18.3.2006 in Mönkeberg

Wenn Harry Rowohlt liest sollte man Sitzfleisch mitbringen: weiß man doch! Das gehört doch zur Allgemeinbildung und das steht bestimmt auch schon in Meyers Konversationslexikon unter S wie Sitzfleisch. Aber bis nach Mönkeberg hat es sich noch nicht so recht rumgesprochen, daß man halt für gernemal fünf Stunden Hörgenuß bezahlt hat. Oder lag's an der Bestuhlung, auf die das Wort meines Bruders Andreas voll zutraf - die Stühle waren echt für'n Arsch. Naja, ist das nicht unser Schicksal: auf harten Bänken (nee, hier: Stühlen) zu sitzen und kaltes Bier trinken zu müssen (H. Erhardt)?

Der Schwund war jedenfalls groß an diesem Abend, was wegen der dauernden Karawanen während der kleinen unplanmäßigen und inoffiziellen Pausen sehr nervte - aber angesichts der ca. 400-500 Zusehörer (- das geht mit Zuschauer nicht! Bzw. gibt dem Wort soschon einen unangenehmen Beigeschmack: zusehen und dann auch noch hauen!!!- ) merkte man den Schwund der Turnhalle Mönkeberg kaum an.

Nervig für den Vortragenden ebenso wie für diejenigen, die wegen Harry gekommen waren und nicht wegen Bier und Schmalzbrötchen war die Bierzeltathmosphäre, die der ansonsten sehr lobenswerte Verein Strandfolk e.V. bis zur Lesung von Dieter Hildebrand am 14. Mai dringend ändern sollte! Sonst sind die 22 Tacken (i.e. Öcken), die wir da abdrücken sollen nämlich viel zu schade, trotz des Unübertrefflichen.

Die quer im Raum stehenden Bierzeltbänke nahmen wir ja noch hin, dreht man sich halt ein bisschen, aber das brüllende Neonlicht von oben und die Bier- und Fressalienameisenstraße war zu viel des Guten. Obwohl ich gestehen muß, daß ich mich auch mal auf ein neues Kühles eingereiht habe.

Und wer ist denn nun Schuld daran, daß die Pause nicht wie angekündigt um 21:47 eingeläutet wurde, sondern bereits und bereitwilligst schon gegen halb, was dann das Vorlesekonzept vollkommen durcheinandergebracht hat? Naja: Harry war halt fertig mit seinem Stück und mußte selber zugeben, daß er es nun mit dem nächsten bis zur angekündigten Pause um 21:47 nicht mehr packen würde.

Paßt scho'! Aber diesen explosionsartige Aufbruch der Massen Richtung Klo und Theke hätt's dann auch nicht gebraucht.

H.R. jedenfalls war merkbar angefressen, wie auch überhaupt erst langsam in Fahrt kommend an diesem Abend. Aber es war ja auch der letzte einer Wochentour und da wollen wir's mal nachsehen, zumal: als er dann in Fahrt war, da ging's auch gut zur Sache.

Und wer da glaubt, Harry Rowohlt sei Familienunterhaltung, hat wohl was mißverstanden - einigen war's augenscheinlich manchmal zu hart.

Ansonsten war das Programm ähnlich dem, das er schon vor drei Jahren in Kiel zum Besten gab, und wie ich es dank der Übertragung im damalsnoch OK Kiel mittlerweile nahezu auswendig kann. Was mir übrigens zum Verhängnis wurde, da ich die ersten Minuten fast lippensynchron mitsprechen konnte, hatte ich mir die Aufnahme doch am Tag vorher sozusagen zum warmwerden nochmal zur Hälfte gegönnt.

Wiedemauchsei - wie heißt's: aber schön war es doch!

Und die Lesung samt Schausaufen und Autorenselbstzugrunderichtungsbeobachtungsmöglichkeit wäre NOCH schöner in Erinnerung geblieben, hätte ich meine Gasmaske dabeigehabt, denn die Luft im Saale war trotz Lüftungsversuchen das GRAUEN!

So, und nun der obligatorische Spruch zur neuen Haartracht: Nee, Hannes Hansen (www.nordclick.de) halbwegs manierlich finde ich den neuen Look nicht. Eher erstmal doch ganz schön irritierend und irgendwie weniger harryrohwohltgemäß. Aber man gewöhnt sich erstens an allem, sogar am Dativ und zweitens isses doch Privatsache!

Hier der Link zum Nordclick-Artikel:
www.nordclick.de/artikel/1825730/Harry_Rowohlt_las_in_der_rapelvollen_Turnhalle_in_M%F6nkeberg.htm

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