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Leidartikel, Huldigung, Aktuell20.11.13Von: Åke Åkeström

Als ob ein Freund gegangen wäre...

Dieter Hildebrand Quelle: wikimedia.org

Dieter Hildebrand Quelle: wikimedia.org

Die Nachricht des plötzlichen Todes von Dieter Hildebrandt und ihre erstaunliche Wirkung auf Deutschland.

Erste Nachricht in der Tagesschau, immerhin, bzw. Hut ab!

Und so ungefähr jeder Kabarettist (erwartbar) und jeder zweite Politiker (na ja, auch irgendwie erwartbar) durfte oder mußte sich zum Tode dieses, dieses..., ja was nun eigentlich - hm, da fehlen mir die Synonyme, die nicht abgelatscht und ausgelutscht wären, nehmen wir doch in Anlehnung an Dittsche: »Titan, ein reiner Titan« - so, und nun kommt auch das Verb: äußern. Tatsächlich scheint der plötzliche Tod Dieter Hildebrandts sehr viele Menschen in Deutschland zu bewegen, denn man spricht über ihn. Nicht nur in den Medien, auch privat, auf der Arbeit und sonstwo.

Mein erster Gedanke, als ich mitten im Tagesgeschäft von dieser Nachricht aufgeschreckt wurde: wenn ich irgendjemandem gegönnt hätte, mindestens hundertzwanzig zu werden, dann dem Hildebrandt. So ganz beiläufig, in einem Nebensatz von Georg Schramm während eines Interviews erfuhr ich vor einigen Wochen davon, daß Dieter Hildebrandt im Krankenhaus wäre, bzw. »gottseidank wieder« heraus, da durchfuhr mich spontan der Gedanke: »Nicht der Hildebrandt!« - so, wie es einen durchfahren würde, bekäme man Ähnliches über einen Freund zu hören. Dabei kannte ich diesen Menschen ja nicht einmal persönlich. Immerhin durfte ich ihn mal live erleben, im Kieler Schloß, vor einigen Jahren, da war er gerade achtzig geworden und strahlend wie eh und je. Und, das am Rande, an dem Abend hat er übrigens das zum Thema passende Gedicht vom schlesischen Jahreszeiten-Zyklus vorgetragen.

Warum kommt es einem also so vor, als wäre Dieter Hildebrandt ein Freund gewesen? Vielleicht weil er etwas ausstrahlte, das den Wunsch erweckte, einen so geradlinigen, klargeistigen wie auch warmherzigen Menschen persönlich kennen zu wollen. Vielleicht, weil Hildebrandt auch im höheren Alter irgendwie stets frisch und jugendlich wirkte? Offensichtlich sogar vor wenigen Wochen noch, kurz vor seinem Ableben, wie der Münchner OB Ude heute auf Deutschlandradio Kultur erzählt. 

Ich jedenfalls habe, wie offensichtlich recht viele andere auch, Dieter Hildebrandt immer bewundert für genau die Eigenschaften, die anscheinend doch so selten zu finden sind, in dieser unserer  verquasten Republik: Klarheit und Wahrheit. Und Witz im besten Sinne von Hirn&Humor. 

Nachtrag 21.11.2013:

Heute ist natürlich alles voll von diversen Nachrufen auf Dieter Hildebrandt und da stellt sich mir die ganze Zeit über die Frage: Was hätte Hildebrandt wohl zu den Äußerungen von Politikern gesagt wie Edmund Stoiber, der ihn einen »Doyen des politischen Kabaretts« nennt (Deutschlandradio Kultur, vgl. den Link unten).

Ich weiß es nicht, kann mir aber vorstellen, daß die Reaktion scharf und heftig gewesen wäre.

 

Und da unten nochmal der schlesische Jahreszeiten-Zyklus im Original:


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