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Leidartikel, Brmmpf (aka Politik)10.06.09Von: Åke Pølitkritikk

Das Ende der Spezialdemokratie...

ist hier ja schon ausführlich behandelt worden und bedarf keiner weiteren Kommentierung. Daher widmen wie uns lieber der Frage: was verändert die Krise?

Der Wandel hin zu einem neuen System wird ja alllenthalben hochgequatscht, wie gerade erst wieder im ARD-Presseclub vom 7. Juni - wobei uns aber niemand verraten will, wie denn ein neues, anderes System aussehen sollte.

Die Bürger jedoch wissen es besser. Sie wollen schlicht keinen Wandel. Nichts soll und wird sich ändern. Ganz im Gegenteil wird Wirtschaftsliberalität vehement eingefordert.

Man solle das Wahlvolk nicht unterschätzen, so lautet eine landläufige Binsenwahrweisheit, denn schließlich seien die Bürger nicht dumm und wüßten schon sehr genau, was sie wollten. Eben. Das haben die Menschen bei der Europawahl ja auch überdeutlich bewiesen. Sie wollen Sylvana.

Der gemeine europäische Bürger tendiert immer stärker dazu, dem konservativen Block mehr Vertrauen zu schenken, als dem sozialen, das ist also keine rein deutsche Entwicklung. Die deutschen Wähler laufen jedoch obendrein haufenweise zu den Wirtschaftsliberalen über; augenscheinlich handelt es sich dabei um jene CDU-Wähler, denen Merkel zu sozial ist.

Wenn diese Gemütslage bis September anhält, dann steht der kohlschen Neuauflage für die nächsten sechzehn Jahre ja nichts mehr im Weg. Bis dahin muss die Merkel aber noch tüchtig essen, wenn sie der Gewichtigkeit des CDU-Idols auch nur annähernd gleichen will.

Bleibt die Frage, warum die Wähler keinen Wandel wollen. Aber sie ist schon falsch gestellt, die Frage, denn überhaupt niemand will wirklich einen Wandel. Nicht die Politik, weil die sowieso keine Antworten parat hat, nicht die Wirtschaft, weil niemand Pfründe aufgeben will und ein Wandel sowieso nur die Aufgabe liebgewonnener Gewohnheiten bedeuten würde. Warum also der Rest der Gesellschaft?

Es ist schon interessant zu beobachten, daß in den Zeiten der größten Wirschaftskrise seit Bestehen der BRD genau jene Kräfte einen unverhältnismäßig starken Zulauf erhalten, die in den letzten fünfundzwanzig Jahren mit ihrem Gequatsche über die notwendige Liberalisierung der Märkte für das Zustandekommen genau dieser Krise verantwortlich sind.

Vielleicht wohnt dem aktuellen Wahlverhalten ja auch nur der tiefe Todeswunsch einer Gesellschaft inne, die längst erkannt hat, wie wurschtig aber auch Alles Politische und eben auch Gesellschaftliche heutzutage geworden ist.


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