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Lob & Hudel, Kultur, Høchkømik, Leidartikel23.08.10Von: Åke Åkeström

Der Göttinger Elch 2010 geeeht an...

Der Preisträger des Göttinger Elchs 2010: Olli Dittrich

Der Preisträger des Göttinger Elchs 2010:
Olli Dittrich

Wenn Sie jetzt meinen, Mensch, lange nichts vom Elchkurier gehört, dann haben Sie natürlich recht, vor allem, weil es keine Audio-Files von uns gibt. Außerdem haben wir den ganzen Sommer darauf verwandt, uns auf folgenden Artikel zu freuen.

In diesem Jahr geht nämlich der Göttinger Elch höchstverdient an Olli Dittrich. Muß man Dittrich erklären? Muß man diese Preisvergabe begründen? Natürlich nicht. Ich könnte hier also schließen und mich dem Tagwerk widmen, aber wie sieht das aus? Nur drei Zeilen für den Dittrich, der doch viel mehr Text verdient hätte. Hochverdient sogar! Und der Leser, der möchte ja auch nicht mit der reinen Meldung abgespeist werden. Obwohl er ja zufrieden sein könnte, der Leser. Leise in sich hineinfreuend könnte er ein Liedchen pfeifen und sich endlich seinem Tagwerk widmen, das doch schon viel zu lang darnieder liegt. Und weil der Leser das weiß und nun schuldbewußt zu Boden blickt, erfaßt uns das Mitleid. Und wir raunzen dem Leser zu: nun lies halt noch ein wenig aus der Begründung für die diesjährige Preisvergabe und dann geh, wohlgelaunt und voller Tatendrang, es dem Dittrich gleichzutun, endlich Deinem Tagwerk nach!

So, und nun der Pressetext der Preisverleiher:

Die Auszeichnung wird jährlich für ein satirisches Gesamtwerk vergeben und ist mit 3.333 Euro, einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger Elch-Rahmsüppchen“ dotiert. Die feierliche Verleihung findet am 25. September 2010  im Deutschen Theater in Göttingen statt.

Der Vorverkauf beginnt am 01. September 2010. Karten sind ausschließlich an der Kasse des Deutschen Theaters, Tel. 0551 / 49 69 11, erhältlich (Öffnungszeiten: Mo-Fr 10.00-13.30 Uhr und 16.30-20.00 Uhr, Sa 11.00-14.00 Uhr).

Olli Dittrich „ist ein Künstler, der der Fernsehkomik neue Wege erschlossen hat“, und „ein Meister der lustigen Mimikry, der in wechselnden Rollen die Komik-Kultur in Deutschland seit 20 Jahren mitgestaltet, ja prägt“, so die Jury. „Er machte intelligente Comedy, als das noch kein Widerspruch war. Er brachte den sorgfältig gebauten, mit liebevoller Ironie und trockenem Humor gespielten Sketch wieder ins Fernsehen, als alle Welt auf platte, am Fließband produzierte Pointen setzte, und erwies sich damit als würdiger Nachfolger Loriots.“ Dittrich, heißt es in der Begründung der Jury weiter, habe es verstanden, „in seinen Figuren, die er in allen möglichen Milieus und Schichten ansiedelt, ein komisch treffendes Bild unseres Gesellschaft zu zeichnen, einer Gesellschaft, über die man nur lachen kann.“ Insbesondere die seit 2004 laufende Improvisationsserie „Dittsche“ sei beste aufklärerische Unterhaltung: „Während Politiker aus ihrer Verachtung der Unterschicht kein Hehl machen, gibt Olli Dittrich alias Dittsche den Verlierern, den Gescheiterten mit den Mitteln der Komik ihre Würde zurück und zeigt sie als Menschen, die mit skurrilem Aberwitz inmitten einer verrückt gewordenen Welt ihren Eigensinn behaupten.“

Der 1956 geborene Oliver „Olli“ Dittrich wurde in den 90er Jahren durch die Comedy-Serie „RTL Samstag Nacht“ bekannt. Einen regelmäßigen Höhepunkt der Sendungen bildete die mit Wigald Boning gespielte Talkshowparodie „Zwei Stühle – eine Meinung“. Ebenfalls mit Boning bildete er 1995 die Komik-Popgruppe „Die Doofen“, die mit Hits wie „Mief“ großen Erfolg hatte. Nach dem Ende von „RTL Samstag Nacht“ bekam Dittrich mit „Olli, Tiere, Sensationen“ eine eigene Sketch-Show im ZDF. 2001 erfand er das Improvisationsformat „Blind Date“, in dem er zusammen mit Anke Engelke ohne Drehbuch, aus dem Stegreif agierte. 2004 startete jene Improvisationsserie, die im Herbst 2010 in die 14. Staffel gehen wird: „Dittsche“. In ihr spielt Olli Dittrich einen Mann im Bademantel, der am Tresen eines Imbisslokals ebenso absurd wie treffend über Gott und die Welt, die Politik und den Alltag sinniert.

Vor dem GÖTTINGER ELCH wurde Olli Dittrich für seine Fernseharbeiten dreimal mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt: 1995 mit Wigald Boning für die Sketchreihe „Zwei Stühle – eine Meinung“, 2003 mit Anke Engelke für die Improvisationsserie „Blind Date“ und 2005 für „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“. Das mit Boning gebildete Duo „Die Doofen“ wurde Mitte der 90er Jahre ebenfalls mehrmals ausgezeichnet, 1995 z.B. mit der „Goldenen Stimmgabel“ des ZDF. Daneben erhielt Olli Dittrich als Schlagzeuger der Country-Band Texas Lightning zusammen mit den anderen Gruppenmitgliedern 2006 die Ehrenbürgerschaft des US-Bundesstaates Texas und der Stadt Texas im australischen Bundesstaat Queensland.

Derzeit legt Olli Dittrich letzte Hand an seinen neuen Kinofilm: in "Die Relativitätstheorie der Liebe" spielt er zusammen mit Katja Riemann fünf verschiedene Großstadtpaare, deren "miteinander verwobene Geschichten vom gemeinsamen Glück und Leid am Ende von einem geprägt sind: von der unwiderstehlichen Kraft der Liebe", wie die Produktionsfirma Ufa Cinema mitteilte. Filmstart ist am 21.Oktober 2010.

Der Satirepreis GÖTTINGER ELCH wird 2010 zum 13. Mal verliehen. Die bisherigen Preisträger waren der Cartoonist Chlodwig Poth (1997), der Zeichner und Schriftsteller Robert Gernhardt (1999), der Kabarettist Gerhard Polt (2000), der Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt (2001), die Karikaturistin Marie Marcks (2002), der Zeichner und Dichter F. W. Bernstein (2003), der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger (2004), der Komiker Otto Waalkes (2005), der Zeichner Hans Traxler (2006), der Zeichner und Musiker Ernst Kahl (2007), die bayerischen Volksmusiker und Kabarettisten der Biermösl Blosn (2008) sowie der Musiker, Schriftsteller und Filmemacher Helge Schneider (2009).

Der GÖTTINGER ELCH will den guten Ruf der komischen Künste festigen und das Ansehen der in Wort und Bild tätigen Satiriker im deutschen Sprachraum mehren. Der Preis hat seine Heimat nicht zufällig in Göttingen: Die Stadt hat Tradition in Sachen Satire, die im 18. Jahrhundert mit dem genialen Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg beginnt und bis in die jüngste Vergangenheit von den Wahl-Göttingern Robert Gernhardt und F.W. Bernstein fortgeführt wurde. Einem sprichwörtlich gewordenen Zweizeiler Bernsteins  ist der Name des Satirepreises entlehnt: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“

Die ELCH-Jury 2010: Antje Kunstmann, München, Verlegerin; Hilmar Beck, Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen; WP Fahrenberg, Ausstellungsbüro Göttingen; Achim Frenz, Museum für Komische Kunst Frankfurt am Main; Peter Köhler, Göttingen, Journalist; Martin Sonntag, Caricatura Kassel; Hans Zippert, Oberursel, Publizist; Helge Schneider, ELCH-Preisträger 2009.


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