gegründet 1.4.2001
erscheint unregelmäßig
Lob & Hudel, Leidartikel, Aktuell, Literatur, Blogrølle17.05.10

Der Grimme Online Award 2010

Dreiundzwanzig Web-Auftritte aus vier Kategorien sind für den Grimme Online Award nominiert. Stimmen Sie mit ab, aber lesen Sie zuvor die Empfehlungen des Elchkuriers!

Da möchte man nicht in der Jury sitzen. Von 2000 eingereichten Vorschlägen wurden nun 23 Web-Auftritte ausgewählt, von denen dann vier mit dem Online-Grimme-Preis bedacht werden. Zu gewinnen gibt es nichts, außer Ruhm und Klicks und neue Leser, aber das ist ja auch schon eine Menge. Wer möchte, kann bei TV-Spielfilm für den Publikumspreis mit abstimmen. Jeder Besucher hat drei Stimmen.

Die Wahl dürfte einigermaßen schwer fallen, denn es sind wirklich sehr lesens- und lobenswerte Blogs und Webauftritte unter den Nominierten. Aber drei Empfehlungen möchte ich hier doch aussprechen.

Ein Blog, der es schafft, daß man stundenlang gefesselt einen Beitrag nach dem anderen wegliest auch die Kommentare gründlich und genußvoll studiert - so etwas ist wohl nicht gerade häufig in unserer schnellebigen Zeit, in der man oft nur noch von Topic zu Topic hüpft. Aber exakt so ist es mir bei Not quite like Beethoven ergangen. Dieser Blog wird seit etwas mehr als einem Jahr von Alexander Görsdorf betrieben und ist »ein Blog über Unhörbares, Unerhörtes und Nicht-Gehörtes«. Der Autor ist im Laufe der Zeit, ähnlich wie Beethoven ertaubt, will aber, anders als der Komponist, nicht resignieren. Dieser Blog ist ein Kleinod im rauschenden Meer der medialen Überflutung. Nicht nur weil man als (halbwegs) normal hörender auf eine direkte, unprätentiöse, oft humorvolle Weise in eine weitgehend unbekannte Welt eingeführt wird, sondern auch weil das so hochgradig lesenswert geschieht, daß man, handelte es sich hier um ein Buch, dieses schlicht nicht aus der Hand legen könnte. Und das setzt sich bis in die Kommentare fort, in denen sich viele lebhafte Diskussionen entspannen.

Meine nächste Empfehlung geht an den UMBLÄTTERER, der sich zur Aufgabe gemacht hat, das deutsche Feuilleton sozusagen »ins Web zu retten«, bzw. es dort mit weiterem Leben zu erfüllen, da es den Betreibern zufolge das beste der Welt ist. Jedes Jahr - und in diesem Jahr zum fünften Mal - küren die Blogbetreiber die zehn besten Feuilletons.

»Anders anziehen« heißt der dritte Blog, den ich hier empfehlen möchte. Sandra Smilla »zeigt Menschen in ihrer in- dividuellen Art sich zu kleiden. Die Fotografien sind ungeplante Momentaufnahmen - auf der Suche nach Originalität und authentischem Eigensinn«. Die Texte sind nebeneinander auf deutsch und englisch gehalten. Die Autorin interessiert »als Kostümbildnerin für zeitgenössische Filme [...] vor der Mode als Selbst- zweck vielmehr der Mensch und was ihn ausmacht. Wie er sich zeigt, kleidet, bewegt.«

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Schauen, lesen, wählen!


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