gegründet 1.4.2001
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Musik20.07.09Von: Åke Svenssonfansson

Edelsteine funkeln auch im Regen

Man kann es ja gar nicht oft genug wiederholen - hoch im Norden blüht eine Musikszene, die es wert ist, endlich mal bekannter zu werden.

Als Norddeutscher und Wahlkieler ist man ja so einiges gewohnt, was Petrus' Ansichten zum Thema laue Sommerabende angeht. Aber wir wissen uns zu wehren: es regnet erst dann, wenn wir sagen, daß es regnet, schließlich können wir uns ja nicht von jedem kleinen Schauer davon abhalten lassen, auf harten Bänken sitzend und mit kalten Getränken ausgestattet (H. Erhardt) guter Musik zu lauschen.

Letzten Samstag gab es reichlich Gründe, um im Regen auszuharren. An der Hörn beim Blauen Engel, schräg gegenüber von unserem Dreifarben-Bahnhof*, gab's Livemusik zum Brückenfestival. Schon am Fußgängerüberweg, wo es zwar noch nichts zu sehen gab, außer der wenig aparten Rückseite eines kleinen Zeltes, konnte man eine sehr jazzige Stimme vernehmen, nämlich die von Katja Berdau, der Sängerin von Blue Solitary. Diese kleine, feine Band brachte Lieder der schwedischen Jazzsängerin Viktoria Tolstoy, zur Musik vom vielzufrühverstorbenen Esbjörn Svensson.

Die vielen Zuschauer, die nicht anwesend waren, haben wirklich etwas verpaßt, während sich die kleine Zahl tapferer Durchhaltewilliger mit einer hochgradig professionellen Darbietung belohnt wurde. Michael Brodersen (Gitarre, Bongos) und Jens Salsa (6-Seiten Bass[!]) harmonierten prächtig und der von Soulfinger bekannte Arvid Spiekermann an den Drums sowie der neu hinzugekommene Willi Stellmach am E-Piano taten ein übriges.

Petrus drohte mächtig, aber das Publikum war sich einig: »Das regnet nicht.« Und ließ sich die gute Laune auch nicht nehmen. Irgendwann kam aber doch soviel Flüssigkeit vom Himmel, daß man definierte: Ok, Petrus, gewonnen, es regnet doch. Also stellte man sich beim Bratzwurststand unter und lauschte dem unverdrossen weiterspielenden Quintett. Beim ersten Anzeichen von Trockenheit saßen wir dann auch artig wieder auf der Bank. Die Veranstaltung hatte wegen der Wetterverhältnisse fast etwas von einer Privatvorstellung, was den Genuß aber eher vergrößerte.

Schade: es gibt, soweit der alte Elchverleiher weiß, noch keine CD und auch sonst nichts, was man hier mal vorführen könnte. Blue Solitairy hätte es dringend verdient, einem größeren Publikum bekannt zu werden.

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* Ja, dieser Bahnhof besteht tatsächlich aus drei verschiedenfarbigen Steinsorten: a) Originalsteine, b) billige Nachkriegsware und c) nicht hinbekommene Restaurationsklinker, die weder zu a) noch zu b) passen, warum auch, wir können ja froh sein, in unserem Landeshauptdorf überhaupt einen Bahnhof zu haben!




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