gegründet 1.4.2001
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Leidartikel, Ja, sowas!, Katz & Co.17.03.11

Ein Ausflug mit Happy End

Isa, der blinde Abenteurer

Es gibt ja Geschichten, die würde man nicht glauben, wenn man sie nicht selbst erlebt hätte.

Und selbst dann!

Und außerdem möchte ich mal wissen, was der Herr Katzengott eigentlich für einer ist!

Ich glaube ja grundsätzlich nicht an Götter und ähnliche Absurditäten. Aus religiösen Gründen sozusagen. Aber der Katzengott versucht doch immer wieder, mir seine Existenz zu beweisen. Heute beispielsweise mal wieder.

Gestern morgen maunzte ein Etwas reichlich kläglich vor meiner Tür. Ich dachte schon, na, isses jetzt so weit, daß die Kater aus der Nachbarschaft nach meinen drei Mädels kucken kommen? Da saß nämlich ein stattlicher Kater. So ein alter Haudegen, mit Bißspuren an den Ohren.

Aber irgendwie war er komisch. Er schien mich nicht wirklich wahrzunehmen und wirkte etwas orientierungslos.

Ich näherte mich ihm und er gab Köpfchen, aber erst, als ich ihn berührte. Der Kater ist blind, dachte ich, wie kommt der hier her? Ziemlich struppig sah er aus. Der war bestimmt eine Weile nicht zuhause gewesen. Also nahm ich ihn erstmal in Obhut.

Und dann fängt man ja an zu denken: hat den vielleicht jemand ausgesetzt? Bäh! Aber so welche gibt's nunmal wirklich.

So richtig weit entfernt konnte sein Zuhause eigentlich nicht sein, denn auch wenn blinde Katzen sich eigentlich ganz gut in ihrem Revier orientieren können, über die Straße kann er eigentlich nicht gelaufen sein. Diese Überlegung hielt mich erstmal davon ab, dem drängelnden Rat meiner Tierärztin zu folgen und den Kater gleich vom Tierheim Uhlenkrog abholen zu lassen. Links und rechts die Straße runter wohnen aber nur lauter Hunde, wenn ich den Nachbarn glauben darf, bei denen ich geklingelt habe.

Außerdem mußte ich gestern abend noch nach Husum, also gab's eine freie Nacht in der Katzenpension Åkeström. Übrigens sehr zum Ärger meiner Lilli, während die beiden Kleinen einigermaßen neugierig waren.

Der alte, müde Kämpe suchte sich eine gemütliche und dunkle Ecke in meinem Arbeitszimmer und beschloß offensichtlich, das Leben zu nehmen, wie es kam. Irgendwann heute nachmittag schnappte ich mir die Kamera, forderte den kleinen Kerl auf, sich mal ordentlich in Pose zu werfen und erstellte einen "Katze gefunden"-Zettel, wie es sich gehört. Ich wollte wenigstens beim örtlichen Tierarzt, der seit einiger Zeit aber nicht mehr mein Tierarzt ist, nachfragen, ob man den Kater als Patienten kennt. So viele ältere, nahezu blinde Kater wird es hier ja wohl nicht geben, dachte ich. Außerdem schien mir der örtliche Grünhöker, der eigentlich ein Bio-Laden ist ebenfalls eine gute Adresse für einen Aushang zu sein. Schließlich befindet sich der im sogenannten "Zentrum" unserer Gemeinde.

Der Tierarzt war natürlich ein Flop, also versuchte ich es beim Bio-Händler, der auch Katzenbesitzer ist. Und gerade in dem Moment, als ich dort meinen Zettel an die Wand hefte höre ich hinter mir Bruchstücke einer Unterhaltung: "... er war schon achtzehn und nicht mehr so oft draußen. Sonntag wollte er noch mal raus und seitdem ist er weg..." 

Meine Ohren drehen sich sprichwörtlich nach hinten um und ich mich mit ihnen. Da steht ein etwas älterer, mir unbekannter Herr und redet auf eine mir ebenfalls unbekannte Frau ein. Und er spricht bestimmt nicht von seinem eben erst erwachsen gewordenen Nachwuchs. "Suchen Sie einen Kater? Ist der etwa blind? Sieht der so aus, wie auf diesem Zettel?", bombardiere ich ihn. Und: ja, tut er, ist er, sieht er. Woraufhin ich den eben erst sorgfältig aufgehängten Zettel wieder abnehme und mich mit dem strahlenden Kater-Vater zu mir begebe, wo er seinen achtzehn Jahre alten Kater Isa in Empfang nimmt. Isa, der alte, stolze Schlingel wohnt gerade um die Ecke, allerdings gerade so weit, wo ich nicht mehr gefragt hatte. Eigentlich kennt er trotz der Blindheit sein Revier ganz gut, aber irgendwie muß er vom Weg abgekommen und in meinem Garten gelandet sein. 

Und seit heute nachmittag glaube ich nicht mehr an den Katzengott, ich weiß, daß es ihn gibt!

 


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