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Kultur, Musik, Leidartikel21.10.12

Helge hat Zeit

Wie innovativ ist es eigentlich, wenn Helge Schneider im WDR eine eigene, nun ja, sagen wir ruhig Talk Show bekommt. Vor zwanzig Jahren wäre diese Show wohl einigermaßen bahnbrechend und innovativ gewesen, mit ihrem gelebten Helge-Anarchismus.

Heute aber beweist schon die Wahl von Kurt Krömer als einen der Gäste, daß eigentlich alles eh schon wurscht und durch und möglich ist, im Fernseh. Denn selbst wenn Kurt Krömer demonstrativ seine Zigarette in die Kamera hält, wie er es bei Helge tut: da provoziert nix mehr.

„Pech gehabt, ist alles schon da gewesen!“, wäre alles, was man dazu sagen könnte, wäre dies nun das einzige Ziel gewesen.

Aber provozieren muß heute wahrlich niemand mehr. Und vielleicht ist das ja auch die Chance für die Fernseh-Zukunft. Jetzt, da so ungefähr Alles einmal durchgenudelt wurde an Quatsch und Dummfug, nun wäre also wieder Zeit, Unterhaltung zu machen, die einfach nur Spaß macht und das gerne auf einem Niveau oberhalb von RTL & Co. Aber macht Helge denn nun Spaß?

Da ich mich weigere Fernsehprogramme zu studieren bin ich zappenderweise bei „Helge hat Zeit“ hängen geblieben und durfte auf diese Weise die letzten 10 Minuten miterleben. Also so etwa ab dem „Gespräch“ mit Kurt Krömer. Und ich muß zugeben, die bunte Mischung, die mir da geboten wurde, hat mir spontan sehr zugesagt, auch wenn nicht wirklich von einem Gespräch die Rede sein konnte.

Und nun habe ich das TV-Konsumpferdchen von hinten aufgezäumt, denn gleich nach Ende der Sendung habe ich mir die dazugehörige Webseite beim WDR angeschaut: helgehatzeit.wdr.de

Und dort stöberte ich erstmal durch allerlei Nebenbei-Informationen und Videoschnippsel. Nur die offensichtlich schon vor ein bis zwei Wochen aufgezeichnete Show gab's dort noch nicht zu sehen, trotz des verführerischen „Sendung verpasst“-Buttons. Was mich dann um einen Teil meiner Nachtruhe brachte, war die professionelle Schnelligkeit der Web-Redaktion, die das Video dann nämlich innerhalb von zwanzig Minuten nach der Show freischaltete.

Nun konnte ich also sehen, was ich verpasst hatte.

Und mein Fazit, nachdem ich die ganze Folge genossen habe? Helge hat offensichtlich Zeit, aber nicht wirklich für seine Gäste. Die Sendung wirkt seltsam konfus, obwohl im Fernseh ja nichts dem Zufall überlassen wird und das Chaos natürlich minutiös durchgeplant war. Und Helge ist und bleibt ein begnadeter Musiker und sollte das mal kein Geld mehr einspielen, kann er immer noch als Grass-Double umherreisen.

Alles in Allem freut man sich also auf die nächste Show, besonders wenn weiterhin Künstler wie Butterscotch oder Suse Wächter eingeladen werden.

Der Elchverleiher erteilt also Kuckbefehl! Allerdings muß man sich beeilen, möchte man die erste Folge noch mal sehen, denn nach dem dümmlichen Rundfunkstaatsvertrag darf das Video der Sendung ja nicht allzulange vorgehalten werden, also kann man, wie so oft nur auf Youtube hoffen.

Eine Frage bleibt dann noch, zum Schluß:

Womit beschäftigen sich eigentlich die sieben Autoren, die da im Abspann genannt wurden? Viel Text können die jedenfalls nicht geschrieben haben.


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