gegründet 1.4.2001
erscheint unregelmäßig
Leidartikel, Wunderliches04.04.12

Laß' uns teilen, ich 60%, Du 60%.

Oder: wenn Spammer durch den Pisa-Test rauschen.

Meinem stets wachsamen Freund Achim sei Dank, daß er die Lösch-Taste nicht vorschnell betätigte, als ihn die dringende Nachricht des Herrn FRED BENHAM erreichte. Nämlich durch das Medium der elektronischen Postzustellung, »als es die schnellste Medium der Kommunikation, unabhängig von der Tatsache, dass es missbraucht wurde stark ist«!

Und so schreibt der Mister FRED BENHAM also unter dem Vertrauen heischenden Betreff: HELLO

Aber um was geht es eigentlich in dieser durch das Wunderwerk der elektronischen Mitteilungsübermittlung transportierten Botschaft?

Der höfliche Mr. BENHAM (»Liebe Kolleginnen und Kollegen, Guten Tag.«) ist sich seiner Unzulänglichkeiten offensichtlich bewußt, denn bevor er sich vorstellt, fordert er: "Bitte Geduld mit mir."

Aha, ein Kollege also. Einer »vom Fach«. Obwohl, vielleicht doch ein anderes Fach, in welchem der Herr BENHAM aus North West London da in England sich so tummelt: »Ich bin Herr Fred Benham von Harlsden, North West London, hier in England. Ich arbeite mit NatWest Bank London als Private-Banking-Manager.«

Dann wird es, nachdem wir noch einmal freundlich und respektvoll (von wem eigentlich?) gegrüßt werden, so richtig dunkel, was den Sinn angeht: »Bei allem Respekt und Grüße, soll ich Ihnen aus meinem Büro schriftlich für ein Unternehmen, das von immensem Vorteil für uns beide sein wird.«

Dieser Satz kein Verb. Soviel schon mal klar.

Aber lesen wir weiter, denn nun wird es richtig spannend und auch ein bißchen traurig.

Ich muß übrigens mal kurz pausieren und meine Abteilung nach verlassenen Summen durchwühlen, aber währenddessen können Sie ja schon mal weiterlesen:

»In meiner Abteilung, wobei das Private Banking Manager (Greater London Regional Office), entdeckte ich eine verlassene Summe von £ 18.500.000 Gbps (Achtzehn Millionen £ 500.000) in einem Konto, das zu einem unserer ausländischen Kunden Dr. Erin Jacobson gehört, die gestorben mit seiner ganzen Familie in Montana Flugzeugabsturz am 23. März 2009, auf ihrem Weg zu einer Gruppe Himmel Urlaub.«

Jaja, Urlaub im Himmel. Das ist dann wohl für länger? Und dafür werden dann sogar Summen verlassen! Hübsche Summen von achtzehn Millionen Pfund Fünhunderttausender. Weia, das sind ja 9.000.000.000.000! Aber nur, wenn man den sprachlichen Klumpatsch multipliziert.

Nun wird, aus der geographischen Natur, wo wir leben, erst einmal die Vertraulichkeit geweckt, und das obwohl die Transaktion doch so sensibel ist, die Mimose! Denn, »die Wahl der Kontaktaufnahme Sie wurde aus der geographischen Natur, wo Sie leben, vor allem aufgrund der Sensibilität der Transaktion und die Vertraulichkeit hier geweckt.«

Wenn das mal gutgeht.

Nun, denkt man, kann es ja kaum noch dramatischer werden. Wird es aber!

»Jetzt hat unsere Bank für keine der Verwandten der verstorbenen Personen zu kommen, die darauf gewartet, die Behauptung, aber niemand hat das getan.«

Keine Verwandten, keine Nachkommen. Und niemand hat das getan. Also sowas! Kann ja jeder behaupten. Also könnte man selbst ja... Ach, der Herr BENHAM hatte die gleiche Idee bereits, denn er ist es leid, noch mal zwei Jahre oder was persönlich erfolglos herumzusuchen: »Ich persönlich habe schon in der Suche die Verwandten für den letzten zwei Jahren erfolglos« Er benötigt nur noch unsere Zustimmung: »ich suche Ihre Zustimmung an Sie als nächsten Angehörigen / Begünstigter präsentieren an den Verstorbenen,« und wer wären WIR, diese zu verweigern, jetzt, wo sie uns wieder einfällt, unsere Verwandtschaft mit den Jacobsons, die wir ja schon längst mal wieder. Ach nee, sind ja tot, seit 2009...

Aber egal, wir räumen schon mal ein Eckchen frei, auf unserem Girokonto, »so dass die Erlöse aus diesem Konto bei £ 18.500.000 GBPS geschätzt Ihnen bezahlt werden können.« Ja, geschätzt wird das allerdings. Nämlich von uns. Also her mit den Penunsen!

Fragt sich bloß noch, wie wir die Chose aufteilen, oder? Hälfte-Hälfte, denke ich. Nee, wenn ich so drüber nachdenke, das ganze Freiräumen und Platz schaffen auf meinem Konto, das treibt den Schweiß, das möchte ich bezahlt bekommen. Also 60% müssen schon drinne sein, Herr Mister.

Ach so, kein Problem, es wird für ALLE gleichermaßen gesorgt: »Dies wird ausgezahlt oder geteilt werden, in diese Prozentsätze, 60% für mich und 60% für Sie. Ich habe alle notwendigen rechtlichen Dokumente, die zur Sicherung dieses Anspruchs sind wir über die Durchführung gesichert werden kann.«

Menno, hundertzwanzich Prozent. Daß ich da nicht gleich von selber drauf gekommen bin! Und, müssen wir dafür noch etwas tun? Oder wird Herr BENHAM es schaffen, von allein in den Dokumenten zu füllen? In unserem Namen?

»Alles was ich brauche ist es, in Ihrem Namen in den Dokumenten zu füllen und legalisieren sie vor dem Gericht hier, um Sie als berechtigten und wahren Nutznießer dieses Fonds beweisen.«

Na, dann ist es ja gut, wer könnte da mehr verlangen? Ach, der Herr BENHAM, vielleicht: »Alles, was ich jetzt verlangen, ist Ihre ehrliche Zusammenarbeit, Verschwiegenheit und Vertrauen, damit wir sehen diese Verhandlung durch.«

Ich blicke zwar kaum noch durch, aber verschwiegene, ehrliche Zusammenarbeit, na - dafür ist der alte Elchverleiher doch bekannt!

Nun aber wird es schwierig, denn wie bitte, bitte soll ich folgende: wie ich habe fünf Tage, um es durch? Können Sie mir das noch einmal erklären, bitte bitte, Herr BENHAM?

»Bitte, bitte liefern Sie mir folgende: wie wir haben fünf Tage, um es durch.«

Ja, äh. Immer noch nicht verstanden, auch wenn »dies ist sehr dringend bitte:«

Daher ignoriere ich die folgende Auflistung lieber in der Sie allerlei Daten verlangen, denn auch wenn Sie, Herr BENHAM »Gestützt durch eine methodische Suche gegangen« - bei dem Deutsch kann man ja auch nur noch gestützt gehen: Nee, lassense man, ich lasse Sie lieber warten. Dochdoch, auch wenn Sie noch einwenden: »Bitte, bemühen sich, lassen Sie mich Ihre Entscheidung, anstatt mich warten.«

Besser noch: lassen Sie doch mal Ihr Deutsch warten!


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