gegründet 1.4.2001
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Aktuell, Lob & Hudel, Huldigung, Leidartikel21.12.18

R.I.P. F.W. Bernstein

Nun hat die Neue Frankfurter Schule auch den letzten »Großen Drei« verloren. Fritz Weigle alias F.W. Bernstein ist tot.

Er war der Stille, der lieber im Hintergrund wirkte und dabei nicht zu unterschätzen ist in seiner Wirkung auf das deutsche Satire- und Humorwesen. Nicht zuletzt ist er der Schöpfer der kritischen Elche.

Passend zur Zeit hier sein »Weihnaxgedicht«, in dem es auch ums Sterben geht, irgendwie.

Weihnaxgedicht

Am Zweiten Weinaxfeiertag,
als ich grad im Schterben lag,
war im Flur ein großer Krach,
und der drang ins Schlafgemach.

Als ich dieses Lärmen hörte,
das mich so beim Schterben schtörte -
ich wäre eine dumme Sau,
schtürbe ich bei dem Radau,
bei so einem Heidenlärm
kann kein Schwein mehr ruhig schterm -

schtand ich auf und ging nach draußen,
sah dort meine Kinder zausen,
schlug ein Hühnerei entzwei,
briet mir draus ein Spiegelei
in der Küche, wo der Krach
nur noch schwach zur Tür reinbrach.

Derart wurd ich abgelenkt
und dem Leben neu geschenkt.
Dankbar aß ich noch ein Ei,
und dan kam der Tod herbei.

Als der sah, wie es mir schmeckte,
wie ich aß und nicht verreckte:
da legt' er seinen Hobel hin
und sagte mir Adjöh.

Lieber F.W. Bernstein, jetzt seid Ihr drei wieder vereint irgendwo da oben im Humorhimmel, Du und der F.K. Waechter und der Robert Gernhardt - lasst Es Euch gut gehen auf Euren Wolken!


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