gegründet 1.4.2001
erscheint unregelmäßig

Warum man gelegentlich zuviel Bier trinkt und es am nächsten Morgen bereut,
bzw. Wie man richtig Bier trinkt.
Eine Theorie.
Und ein Lösungsvorschlag.

Von Prof. Dr. hc. Åke Åkeström, Elchverleiher und Bierforscher

A

lso: jede gute Theorie, die es später mal zu was bringen will, und das will diese Theorie natürlich, sollte mit einem „Also“ beginnen, so was sorgt schon gleich zu Anfang für ein ordentlich zementiertes Fundament, bzw. läßt sich auf diese Weise auch schon prima eine unbeweisbare oder mindestens vollkommen haltlose Behauptung aufstellen. Das verwirrt den Leser und er traut sich dann sowieso schon mal nicht mehr, irgendwelche Zweifel anzumelden! Jetzt geht’s aber wirklich los:

Also, eigentlich ist es ja immer der gleiche und in einem bundesweiten, achwas: weltweiten fortdauernden Feldversuch längst bewiesene Vorgang. Oft und oft ist man morgens aufgewacht, mit stark verquollenen Augen, meterdickem Schädel und einer tonnenschweren Zunge, die garantiert bis in die Mittagsstunden jedweden geordneten Dienst versagt. Und das nur, weil man sich am Abend vorher ein paar Bierchen „hat schmecken lassen“.

D.h. die Folgen sind bereits sternenklar, oder zumindest sonnenklar. Was aber sind nun deren Ursache? Oder besser gesagt: Woran liegt’s? An der Uhrzeit? Am Gefäß? Oder gar am geschätzten Getränke selber? Der eine oder andere mag nun einwerfen, es möge an der Menge des genossenen goldblonden Gerstensaftes liegen. Ja, ich weiß, das hört sich denn nun doch zu abenteuerlich an, darum werfen wir doch einmal einen genaueren Blick auf das allabendliche Ritual!

Des Abends, wenn gemütlich das Abendbrot im Meer versinkt, das Abendrot längst weggeputzt ist und aber auch Alles so richtig schön ins Behagliche hinabzugleiten droht, da öffnen sich nicht nur unsere Herzen, sondern auch die kleinen netten Fläschlein, die tagsüber den begehrten, beruhigend blonden Trunk bewahren. Wir nehmen daraus unseren ersten Schluck und es schmeckt wie eh und je. Bzw. natürlich besonders lecker. Und so leeren wir das erste Fläschlein, bzw. auch gerne ein kühles Gläslein voll des geräuschlos Gegorenen. Und gleich darauf ein weiteres – der Durst mag noch nicht schwinden - und dann wieder eins und wieder eins und irgendwann wankt man dann heim und die Folgen, nun ja, sind ja hinreichend bekannt. Bzw. so einfach ist es denn eben auch wieder nicht! Denn der Mensch als an und für sich doch einigermaßen vernunftbegabtes Wesen sollte nun durchaus in der Lage sein, zu erkennen, daß bei der Einnahme von Bier das Überschreiten einer gewissen Menge dieser vergorenen Flüssigkeit dem morgendlichen Wohlbefinden und –ergehen massiv, wenn nicht gar diametral entgegensteht.

Eigentlich.

Aber moment mal, wie wir wissen ist dem ja nicht so, sondern da wird jeden Abend aufs neue vielleicht was weggesoffen, kann ich Ihnen sagen! Aber wie mag denn das nun zusammenhängen? Hie die Vernunft, dort der Durst? Oder wie? Oder was? Sie sehen, zur Ankündigung einer großen, wenn nicht gar großartigen Theorie bedarf es ebenso großartiger Fragen, wie die ebengenannten. Denn nun folgt unsere Theorie, warum man gelegentlich zuviel Bier trinkt und es am nächsten Morgen bereut, bzw. Wie man richtig Bier trinkt.

Es beginnt nämlich schon mit dem ersten Schluck. Bzw. an diesem, wie noch zu beweisen sein wird, liegt überhaupt alles. Denn schon der erste Schluck Bier hat fatale Auswirkungen auf ausgerechnet jene Bereiche unseres Gehirns, die einerseits für die ordnungsgemäße Beschaffung von geeigneten Erinnerungen zuständig und andererseits dafür da sind, daß der ganze Plumpaquatsch, den wir so in uns hineinstopfen, nicht vollends geschmacklos bleibt. Es trifft also wie ein Blitz mitten ins Geschmacks- und Erinnerungszentrum hinein. D.h. es ist also evtl. von mindestens zwei voneinander wahrscheinlich sogar völlig unabhängigen Substanzen auszugehen die hier in schlimmster Weise zusammenspielen. Denn was nun passiert, könnte von keinem Schurken übler ausgeklügelt sein!

Beginnen wir beim Geschmackszentrum. Hier kommt es zu einem äußerst interessanten Phänomen, das wir von nun an als virtuelle Geschmacksverirrung bezeichnen möchten, bzw. auch schon getan haben. Ebengerade nämlich.

Was nun passiert, folgt einem diabolischen, ewigleichen Schema: der erste Schluck Bier wirkt wie bereits angedeutet direkt auf unser Geschmackszentrum ein und verändert unser Geschmacksempfinden. Dieser Vorgang wird ausgelöst durch jenen elenden, ja geradezu niederträchtigen Wirkstoff, der bislang noch keinen Namen hat. Aber Auswirkungen. Unser betrügerisches, bzw. vielmehr betrogenes Geschmackszentrum gaukelt uns nun nämlich vor, noch nie in unserem Leben ein so überaus vorzügliches Getränk verkostet zu haben. In wahre Euphorie versetzt sehen wir uns gezwungen, gleich darauf noch einen Schluck zu nehmen.

Usw.

In einem empirischen Selbstversuch konnte nachgewiesen werden, daß dieser Vorgang sogar durch Holstenbier ausgelöst werden kann. Die Fachwelt diskutiert dieses erstaunliche Ergebnis allerdings noch äußerst kontrovers. Nunja, gewisse Gegenargumente gründen in den besonderen Umständen des Versuchs, dem stundenlange Fußmärsche auf der Expo 2000 vorausgegangen waren. Ein unserer Meinung nach völlig unbedeutender Punkt.

Na, wieder nach oben?

 

Ein erneuter Versuch jedoch, der allseits zum Vergleich der Ergebnisse gefordert wird steht aus persönlichen Gründen noch aus, so daß wir uns auf die bestehenden Erkenntnisse stützen wollen. Was ja auch wesentlich leichter ist, als freihändig nach Hause zu wanken!

Aber nun zurück zu unserer Theorie, deren eines Standbein ja nun so ziemlich fertiggezimmert ist und auf dem es sich schon fast prächtig stehen ließe, wenn eine einbeinige Theorie – und darin dem halben Schwein vergleichbar – nicht ständig umfiele. Das zweite Standbein dieser hübschen kleinen Theorie ist aber auch schon so gut wie „im Kasten“. Das ist auch gut so, denn schließlich handelt es sich hier sozusagen um den wichtigsten Teil unserer Theorie, die davon handelt, warum man gelegentlich zu viel Bier trinkt und es am nächsten Morgen bereut, bzw. Wie man richtig Bier trinkt.

Denn zusätzlich zur eben ausführlich geschilderten und erklärten Geschmacksverirrung tritt ebenfalls mit dem ersten Schluck des kühlen blonden Getränks der andere und ebenso namenlose Wirkstoff in Aktion. Denn nun setzt auch noch eine sukzessive, wenn nicht gar sofortige Löschung aller Erinnerungen ein, die irgendwie mit den manchmal doch arg negativen Folgen des über und übermäßigen Bierkonsums in Zusammenhang stehen.

Und so, wie ich es eben geschildert habe, genauso und nicht anders beginnt und entsteht die Verderbnis, die da allabendlich über uns hereinbricht. Denn der Trinkende verspürt, und auch daran mag die virtuelle Geschmacksverirrung oder sonstwer schuld sein, einen großen, übermächtigen und kaum zu stillenden Durst, den virtuellen Durst, wie wir ihn benennen, denn eigentlich müßte er ja so langsam mal genug getrunken haben. Aber der Abend nimmt seinen üblichen verhängnisvollen Verlauf. Und es kommt, wie es kommen muß. D.h. an diesem Abend fühlt sich der gerne den Gerstensaft Genießende natürlich prächtig und großartig, wenn auch durstig und erinnerungslos, zumindest teilweise, und nur die ständig und beständig prallgefüllte Blase mag hier und da ein wenig lästig, deren Entleerung jedenfalls ja auch wiederum geradezu befreiend wirken.

Es folgt das letzte Bierchen und dann torkelt der solchermaßen durch dieses heimtückische Getränk arglistig getäuschte und von unzuverlässigen Sinnen obendrein betrogene wie auch völlig verlassene und eigendlich doch nur das allerliebste Abendrot genießen Wolllende heim, in die Nacht, die dunkle. Bis er dann zuhause ist, in seinem Bett, dem warmen.

Nun jedenfalls wird er da kaum etwas außergewöhnliches feststellen, außer einer großen, unvergleichlichen Müdigkeit vielleicht, und wenn er Pech hat, muß er auch noch mal kotzen. Inwieweit das nun auch immer mit dem Konsum des o.g. Getränks zu tun haben soll, sei einmal dahingestellt, so weit ist die Forschung ja nun auch wieder nicht, bzw. nicht so schnell wie die sprichwörtliche Eisenbahn, die hier auch nicht in den Zusammenhang gehört. Genausowenig tut dieses unserer bescheidenen Meinung nach zur Sache. Es sei denn, daß sich da irgendwelche Zustände quasi über Nacht von den armen Beinen in den am nächsten Morgen nicht minder bedauernswerten Kopf verlagern würden. Aber das wäre jawohl Grundlage genug für eine eigene Forschung und eine ganz andere Theorie und die sollen andere aufstellen, dafür ist jetzt jedenfalls auch überhaupt keine Zeit mehr. Also zurück zu unserer eigenen bescheidenen kleinen Theorie, die ja auch ganz schön was zu bieten hat und demnächst bestimmt noch ganz groß rauskommt, wie eine Elchkuh aus dem morgendlichen Wald, wie ich immer zu sagen pflege. Jawohl, soweit wird’s noch kommen und dann können die von-den-Beinen-in-den-Kopf-wander-Theoretiker mal schön sehen, wo sie bleiben.

Aber da war ja noch was.

Ach so. Was wäre eine schöne Theorie ohne ordentlichen Lösungsvorschlag für den anstehenden Problemkreis, der hier nun vollkomen durchbrochen werden wird. Bzw. das wäre jamal eine schöne Theorie, die erst groß und breit im Titel eine Lösung ankündigt und dann – peng, nix, nada! Also gut, soll der Leser nicht länger zappeln, wie ein unruhiger Zappeldingsbums, sondern hier ist die Lösung:

So der nun dem Bier nicht vollkommen abgeneigte Genießer vor Antritt des allabendlichen Rituales beschließen möge, den ersten Schluck - denn das ist ja der entlarvte Schurke, der Auslöser allen Übels - gar nicht erst zu trinken, und so viel ist ja auch arschklar erkannt: man muß einfach das erste Bier weglassen, bzw. nicht trinken, dann fällt per se ja auch der erste Schluck mit weg, das Schwein! So möge ihm schon geholfen sein.

Was wieder einmal bestätigt, welch große Auswirkungen durch klitzekleine Ursachen entstehen können.

So aber soll es sein, lieber Biertrinker, beginne einfach gleich mit dem zweiten Bier! Das erste aber trinke nicht! Sondern schütte es vorsichtig in die Blumen oder geb’s den Katzen oder den Kindern, aber lasse die Finger und den gierigen Hals davon! So sollst Du gerettet werden und nimmermehr mit schwerem Kopfe und gelähmter Zunge oder umgekehrt, wie dem auch sei, aufwachen!

Prost!

Hmmm, lecker - frisches Bier! AAAber: ist's das erste? Dann schütt es fort!